Unsere Ziele

Der Verein bezweckt, LGBTIQ-Anlässe in der Schweiz, insbesondere Prides, Strassenfeste und andere Aktivitäten der queeren Community von Antisemitismus freizuhalten. Hierzu argumentiert er mit den entsprechenden Organisationskomitees, führt interne und öffentliche Diskussionen über Antisemitismus, Queer Studies und Homo-/Transphobie durch, betreibt Öffentlichkeitsarbeit und vernetzt er sich international und national mit Organisationen, die Antisemitismus bekämpfen. QgA folgt der Antisemitismusdefinition der Eidgenössischen Kommission gegen Rassismus EKR.

Antisemitismus (gem. Definition der Eidg. Kommission gegen Rassismus EKR)

Es gibt verschiedene, rechtlich nicht bindende Definitionen von Antisemitismus. Die gängigste ist die 2016 von der International Holocaust Remembrance Alliance (IHRA) angenommene Arbeitsdefinition. Antisemitismus ist demzufolge eine bestimmte Wahrnehmung von Jüdinnen und Juden, die sich als Hass gegenüber Jüdinnen und Juden ausdrücken kann. Die zur Arbeitsdefinition der IHRA gehörende Beispielliste ist nicht unumstritten, für die Praxis dennoch hilfreich. Die Schweiz gehört der IHRA seit 2004 an. Der Bundesrat hat die Arbeitsdefinition am 4. Juni 2021 als «Leitfaden» für staatliche Behörden, die sich mit dem Thema Antisemitismus auseinandersetzen, empfohlen. Die Fachstelle für Rassismusbekämpfung des Bundes (FRB) definiert Antisemitismus bzw. Judenfeindlichkeit wie folgt:

Judenfeindlichkeit drückt eine ablehnende Haltung oder Einstellung gegenüber Menschen aus, die sich als Jüdinnen und Juden bezeichnen oder als solche wahrgenommen werden. Antisemitismus wird heute als Oberbegriff und zum Teil als Synonym für alle Formen antijüdischer Haltungen und Einstellungen verwendet. Er stellt im Rahmen des Rassismus ein spezifisches Phänomen dar, weil mit ihm anhand einer religiösen Zugehörigkeit (auf welche sich die Judenfeindlichkeit/der Antijudaismus bezieht) eine Volkszugehörigkeit (auf welche sich der Antisemitismus bezieht) zugeschrieben wird.

Dem Antisemitismus liegt ein ausschliessendes «Wir-Sie»-Weltbild (Ideologie) zugrunde, das sich in Verschwörungsdiskursen äussert und von historisch gewachsenen Zerrbildern und negativen Stereotypen des «Juden» geprägt ist: «Juden» werden als (machtgieriges, rachsüchtiges, blutrünstiges, amoralisches) Kollektiv betrachtet, das konspiriert, um der Menschheit zu schaden bzw. sie zu beherrschen, und das in der Gesellschaft, in der es lebt, wesensfremd und destruktiv bleibt.

Antisemitismus manifestiert sich in feindseligen Überzeugungen, Vorurteilen oder Stereotypen, die sich – deutlich oder diffus – in der Kultur, der Gesellschaft oder in Einzelhandlungen zeigen und die darauf zielen, jüdische Personen und Institutionen zu beleidigen, herabzusetzen, auszugrenzen, zu benachteiligen oder auch als grundsätzlich «anders» zu betrachten.

Antisemitismus umfasst:

  • rassistisch motivierte strafbare Handlungen, wie Angriffe auf die körperliche Integrität oder das Eigentum jüdischer Personen und Institutionen (Hate Crimes)
  • mündliche und schriftliche Äusserungen, wie das Verbreiten antisemitischer Weltbilder, die Aufstachelung zu Gewalt, Hass oder Diskriminierung (Hate Speech)
  • direkte, indirekte und strukturelle Diskriminierung
  • Leugnung, Verharmlosung und Rechtfertigung des Holocaust/der Shoah (diese stehen häufig in Zusammenhang mit Verschwörungsdiskursen und unterstellen – explizit oder implizit – der jüdischen Gemeinschaft, aus dem vermeintlich erfundenen Genozid Kapital schlagen zu wollen bzw. rechtfertigen den Nationalsozialismus).

Die ursprünglich vor allem christlich geprägte Judenfeindschaft wird auch Antijudaismus genannt und stützte sich unter anderem auf die Nichtbekehrung zum Christentum und verfemte die Juden als Christusmörder, welche die christliche Gesellschaft zu unterwandern suchten.

Unter Antizionismus versteht man die Ablehnung der jüdischen Nationalbewegung des Zionismus, die im späten 19. Jahrhundert entstand und zum Ziel hatte, einen jüdischen Staat zu schaffen. Antizionismus kann vom blossen Hinterfragen bis zur Ablehnung dieser Ideologie der jüdischen Nationalbewegung bzw. des Existenzrechts des Staates Israel verstanden werden. Antizionismus ist jedoch nicht ein Synonym für Kritik an der israelischen Regierung und ist auch nicht an bestimmte Parteien oder Ideologien gebunden. Nicht alle antizionistischen Haltungen sind antisemitisch. Antisemitisch ist Antizionismus nur dann, wenn er sich antisemitischer Klischees bedient und wenn er sich gegen Juden als Juden wendet.

Schwer einzuordnen ist der sogenannte Philosemitismus, der oft in rechtspopulistischen Kreisen auftaucht. Es handelt sich dabei um ein Sympathisieren mit Jüdinnen und Juden, das aber zum Zweck hat, etwa muslimfeindliche Äusserungen zu rechtfertigen. Damit verbunden ist auch die kontroverse Diskussion um Antisemitismus aus muslimischen Kreisen, die nicht selten in Muslimfeindlichkeit übergeht. (siehe EKR)

WAS IST ISRAELBEZOGENER ANTISEMITISMUS?

Mit der sogenannten 3D-Regel lässt sich bestimmen, ob es sich bei einer Äußerung lediglich um Kritik an Israels Politik handelt oder die Grenze zum Antisemitismus überschritten wird: Das ist der Fall, wenn Doppelstandards,Delegitimierung oder Dämonisierung Israels im Spiel sind. Der Schnelltest wurde 2004 vom israelischen Politiker und Wissenschaftler Nathan Sharansky entwickelt (1), um Texte und Äußerungen systematisch daraufhin zu prüfen, ob sie antisemitisch sind. Er hat sich seitdem in der Wissenschaft und vor allem in Politik und Zivilgesellschaft bewährt (2). Monika Schwarz-Friesel und Jehuda Reinharz, die den gegenwärtigen Antisemitismus erforschen, kritisieren allerdings, dass die drei Kriterien konkretisiert werden müssen (4). Sie führen dazu die 2004 vom European Monitoring Center on Racism and Xenophobia EUMC ausbuchstabierten fünf Anwendungsmerkmale an. Diese finden sich auch in den Beispielen der IHRA-Definition:

  • Aberkennung des Existenz- und Selbstbestimmungsrechts Israels
  • Vergleich bzw. Gleichsetzung Israels mit dem Nationalsozialismus
  • Anlegen anderer Maßstäbe an Israel als an andere Länder
  • Verantwortlichmachen von Juden aus aller Welt für das Regierungshandeln Israels
  • Bezugnahme auf Israel oder Israelis mit antisemitischen Bildern, Symbolen oder Floskeln.

Schwarz-Friesel und Reinharz führen noch ein viertes „D“ in Bezug auf israelbezogenen Antisemitismus ein, nämlich die De-realisierung. Damit ist gemeint, dass die Darstellung Israels sehr verzerrt wird und von der faktischen Realität stark abweicht. Die ersten drei „D“s sind letztlich eine Folge dieses falschen Bildes. Dabei gleichen die Muster des Sprachgebrauchs und die Strategien der Diffamierung exakt den althergebrachten judenfeindlichen Stereotypen. (4) Antiisraelischer Antisemitismus muss deshalb als eine moderne Variante des alten judenfeindlichen Ressentiments gesehen werden.

Dieser Text ist übernommen von der Seite des Antisemisitmusbeauftragen der Bundesregierung.

Quellen

  1. Nathan Sharansky (2004): 3D test of Anti-Semitism: Demonization, double standards, delegitimization. In: Jewish Political Studies Review 16, S. 3-4.
  2. Heiko Beyer (2015): Theorien des Antisemitismus: Eine Systematisierung. In: Kölner Zeitschrift für Soziologie und Sozialpsychologie. 67, S. 573-589, hier S. 584.
  3. Monika Schwarz-Friesel und Jehuda Reinharz (2013): Die Sprache der Judenfeindschaft im 21. Jahrhundert, Berlin, S. 203f.
  4. Monika Schwarz-Friesel und Jehuda Reinharz (2013): Die Sprache der Judenfeindschaft im 21. Jahrhundert, Berlin, S. 249f.